Das Institut für Gruppenanalyse Heidelberg e.V. steht in der Tradition der Gruppenanalyse, die S.H.Foulkes in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in London entwickelte. Es wurde am 18.11.1984 von G. Rudnitzki, W. Knauss, H. Bosse, H. Hilpert, U. Keller-Husemann, A. Müller, R. Gfäller und W. Beck, einer Gruppe engagierter Ärzt*innen, Psycholog*innen, Sozial- und Politikwissenschaftler als  gemeinnütziger Verein gegründet, der aus dem fünf Jahre zuvor ins Leben gerufenen Department und Lehrseminar für Gruppenanalyse der Stiftung Rehabilitation Heidelberg hervorging und sich zum Ziel setzte, allen, die beruflich mit Gruppen zu tun haben, eine gruppenanalytische Weiterbildung zu ermöglichen. Dem lag die Überzeugung zugrunde, dass die Gruppenanalyse, obwohl primär als therapeutisches Verfahren entwickelt, sich auch in pädagogischen und anderen sozialen Feldern anwenden ließ, um Gruppenprozesse besser zu verstehen und zu steuern.

Der Kontakt zur Gruppenanalyse war zuvor auf den Lindauer Psychotherapiewochen durch die Begegnung mit Ilse Seglow geknüpft worden, einer Schülerin von S.H.Foulkes, die wie er vor den Nazis aus Deutschland hatte fliehen müssen und sich nun dafür einsetzte, die Gruppenanalyse in Deutschland zu etablieren. Die Gründungsmitglieder fuhren regelmäßig nach London, um dort an ihrer Selbsterfahrungsgruppe, aber auch an gruppenanalytischen Workshops teilzunehmen.

Die Gründungsphase fiel in eine Zeit, in der die politische Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und mit autoritären gesellschaftlichen Strukturen durch die Studentenbewegung ausgelöst worden war. Der damit einhergehende Diskurs über eine demokratische Kultur führte zu einer Öffnung für die Bedeutung von Gruppen, die sowohl die Entfaltung der Individualität als auch die Entwicklung eines verantwortlichen Gemeinsinns fördern. Hier konnte die Foulkssche Gruppenanalyse mit ihrer Betonung der Selbstentwicklung der Gruppe und ihrem Verständnis des Leitens als unterstützende Begleitung auf dem Weg aus der Abhängigkeit anknüpfen.

In der Organisation der Weiterbildung folgte das Heidelberger Institut in den ersten Jahren dem Londoner Vorbild. Die Weiterbildungsgruppen setzten sich aus verschiedenen Berufen zusammen und trafen sich vier Jahre lang in fraktionierten geschlossenen Gruppen zur Selbsterfahrung und Theorie. Hinzukamen eine eigene Lehrgruppe, eine Abschlussarbeit und ein Kolloquium.

Es waren gesellschaftliche Veränderungen, auf die das Institut mit einer Flexibilisierung seiner Weiterbildung reagierte. 1999 trat das Psychotherapeutengesetz in Kraft, demzufolge psychotherapeutische, von den Krankenhassen finanzierte Behandlungen nur noch durch approbierte psychologische und ärztliche Psychotherapeuten durchgeführt werden durften, die für die Qualifizierung in Gruppentherapie nur ein begrenztes Curriculum brauchten. Gruppenpsychotherapeuten anderer Grundberufe wurden nicht mehr zur Patientenbehandlung zugelassen.

Weiterhin wurde es für die Teilnehmer*innen immer schwieriger, sich für Blockveranstaltungen von der Arbeit freistellen zu lassen. Das Institut veränderte daraufhin das Weiterbildungssetting und verlegte es auf die Wochenenden. Außerdem bot es nun neben der vierjährigen Weiterbildung kürzere Fortbildungen für Ärzte und Psychologen und in stationärer Gruppentherapie an.  

Schon zu Beginn der 90er Jahre rief das Institut eine Fortbildung in gruppenanalytischer Teamsupervision und Institutsberatung ins Leben. Dieses Angebot entwickelte sich 2003 zu einer Weiterbildung mit der Zusatzqualifikation „Supervisor*in und Organisationsberater*in“.

Als lernende Organisation muss das Institut immer wieder Veränderungen der Weiterbildung ins Auge fassen und ist in dieser Hinsicht in einem stetigen Prozess. Heute werden die Selbsterfahrungsgruppen im slow open Format angeboten und können zeitgleich oder zeitversetzt mit der Teilnahme an den Weiterbildungsgängen “Gruppenanalytische Basisqualifikation“, „Gruppenanalytischer Aufbaukurs“ und „Gruppenanalytische Supervision und Organisationsberatung“ kombiniert werden.  

Nach wie vor charakteristisch für das Heidelberger Institut ist die berufliche Heterogenität, die allgemein als Bereicherung erlebt wird.

Für die internationale Vernetzung gingen vom Heidelberger Institut wichtige Impulse aus, so  die Gründung einer internationalen Vereinigung der gruppenanalytischen Institute (EGATIN), auf deren jährlichen Treffen Standards und Themen diskutiert werden. Zusammen mit der Group Analytic Society organisierte das Heidelberger Institut 1993 in Heidelberg das Neunte Europäische Symposium der Society Boundaries and Barriers, das insofern herausragende Bedeutung hatte, als es das erste dieser Art in Deutschland war.

Mitglieder des IGAH engagieren sich in nationalen und internationalen Organisationen wie etwa dem DAGG, der D3G, der Group Analytic Society International sowie der International Association of Group Psychotherapy und der European Federation of Psychoanalytic Psychotherapies in the public sector, indem sie Ämter und Funktionen übernehmen.

Darüber hinaus veranstaltet das Institut regelmäßige Studientage und Symposien und gibt seit 1991 die im Heidelberger Mattes Verlag erscheinende Zeitschrift gruppenanalyse heraus.